Jun 182013
 

Rauchwarnmelder werden im Discounter oder Baumarkt ab 5,- Euro inklusive Batterie angeboten; im Internet manchmal noch billiger. Wer ein solches Angebot sieht, muss sich zwangsläufig die Frage stellen: „Wer kann das so billig produzieren?“

Rechnen wir kurz nach: Von den 5,00 Euro sind 0,26 € Mehrwertsteuer, etwa 0,20 € Verpackung und Bedienungsanleitung, ca. 0,20 € für die Batterie, ca. 0,03 € (!) Seetransport aus Asien, ca. 0,06 € Einfuhrzoll, ca. 0,10 € Landtransport und Verteilung und zusammen 2,35 € Handelsmarge für den Importeur und den Diskounter – da bleiben 1,80 Euro für den asiatischen Hersteller. Von seiner Marge trägt der Importeur die Kosten für CE-Zertifizierung und für das Risiko für die Mängelfreiheit.

Das teuerste Bauteil bei so einem Rauchwarnmelder ist mit Sicherheit die Batterie. Man kann sich vorstellen, dass der Hersteller oder Importeur hier keine Hochleistungsbatterien beilegen kann. Auch ist schwer vorstellbar, dass jedes Gerät im Rauchkanal einer Funktions- und Qualitätskontrolle unterzogen wird, wie das bei in Europa hergestellten Geräten die Regel ist. Alle Geräte müssen die Mindestanforderungen erfüllen

Dennoch muss jeder Gerätetyp nach den gleichen Regeln von einem zugelassenen Prüfinstitut auf die Einhaltung der Mindestanforderungen nach DIN EN 14604 untersucht werden. Nur Geräte mit einem Prüfzertifikat dürfen die CE-Kennzeichnung tragen und in Europa verkauft werden. Das heißt, jedes Gerät muss Brandrauch ab einer bestimmten Konzentration erkennen und einen Alarm mit einer Lautstärke von mindestens 85 dB(A) ausgeben. Auch eine Diagnose-Funktion, die üblicherweise über eine Prüf-Taste betätigt wird, muss vorhanden sein.

Rauchwarnmelder Vogel
chick-a-dee innen

Die DIN EN 14604 stellt Herstellern frei, weitere Funktionen in Ihre Geräte einzubauen und macht hinsichtlich der Gestaltung keine Vorgaben. Herausragendes Beispiel ist ein Rauchwarnmelder in Form eines Vogels.

Gehandelt wird der Rauchwarnmelder-Vogel, den es in verschiedenen Farben gibt, für rund 50,- Euro. Ein Blick ins Innere verrät allerdings, dass hier wohl ein erheblicher Anteil für die Exklusivität bezahlt wird.

Die verwendeten Bauteile sind von der gleichen Qualität, wie die in wesentlich kostengünstigeren Geräten asiatischen Ursprungs. Auf seinem Ast sitzend hat der Vogel zudem den Nachteil, dass die Rauchkammer einen größeren Abstand zur Decke hat. Brandrauch, der sich zunächst an der Decke ausbreitet, wird so später festgestellt – vielleicht um die entscheidenden Sekunden.


„Teuer“ ist nicht unbedingt gleich „Gut“

Auch andere Geräte sind hinsichtlich Qualität und Funktionalität eher einfach und dennoch nicht ganz billig. Das Bild rechts zeigt die Innenansicht dreier verschiedener Rauchwarnmelder, die mit unterschiedlicher Abdeckung und unter verschiedenen Markennamen gehandelt werden. Einer davon war vor Kurzem bei Aldi Süd inklusive Batterie für 4,90 Euro zu haben. Ein anderer wird über eine Baumarktkette für rund 10,- Euro vertrieben. Der Dritte kostet im Fachhandel über 22,- Euro – allerdings mit 9V Lithium-Batterie.

Rauchwarnmelder Innenansicht

Was macht einen Qualitäts-Rauchwarnmelder aus?

Die Frage ist leicht beantwortet: Ein Rauchwarnmelder soll 10 Jahre lang zuverlässig und früh Brandrauch erkennen, ausreichend laut alarmieren, und das möglichst nur bei einem echten Brand. Ansonsten soll er möglichst unauffällig sein und keinen Ärger machen.

Qualitäts-Rauchwarnmelder kann man daran erkennen, dass der Hersteller genau das garantiert. In den Garantiebedingungen ist das mit dem Ärger zwar anders formuliert, aber dennoch garantieren einiger Hersteller über 10 Jahre den zuverlässigen Betrieb unter üblichen Umgebungsbedingungen und bei mindestens jährlicher Wartung.

Eine solche Garantie können Hersteller natürlich nur abgeben, wenn jedes einzelne der verwendeten Bauteile qualitativ hochwertig und geprüft ist. Der Blick ins Innere eines solchen Rauchwarnmelders lässt die Unterschiede leicht erkennen.

Rauchwarnmelder Platine Rauchwarnmelder Rauchkammer

Der abgebildete Rauchwarnmelder mit fest eingebauter 10-Jahres Batterie und einer garantierten Lebensdauer von 10 Jahren kostet im Fachhandel etwa 28,- Euro. Der Hersteller ist, nicht zuletzt auf Grund der geringen Ausfallquote von weniger als 0,017 Prozent (einer von 6.000) von dem Gerät so überzeugt, dass er neben einer 10-jährigen Garantie auf das Gerät und die Batterie, auch eine so genannte Echt-Alarm-Garantie abgibt. Letzteres bedeutet, dass bei einem technisch bedingten Fehlalarm des Rauchwarnmelders der Hersteller für den Schaden aufkommt, der durch den Aufbruch der Wohnungstür entsteht.

Für die Reduzierung von Fehlalarmen ist vor allem die Größe und Anordnung der Rauchkammer verantwortlich. In der Rauchkammer sind eine Lichtquelle und eine Fotozelle so angeordnet, dass normalerweise kein Licht auf die Fotozelle trifft. Kommt Rauch in die Kammer, wird der Lichtstrahl von den Partikeln abgelenkt oder reflektiert, trifft auf die Fotozelle und löst den Alarm aus. Das gleiche passiert auch, wenn nicht Brandrauch sondern Wasserdampf, Staub oder kleine Insekten in die Rauchkammer kommen.

Bei einfachen Rauchwarnmeldern wird sofort Alarm ausgelöst, wenn Licht auf die Fotozelle trifft. Je größer die Rauchkammer und damit der Abstand zwischen Lichtquelle und Fotozelle ist, umso besser kann die Schwelle justiert werden, bei der Alarm ausgelöst wird. Voraussetzung ist natürlich, dass der Rauchwarnmelder mit einer intelligenten Elektronik ausgestattet ist.

Bei hochwertigen Geräten werden innerhalb von Millisekunden mehrere Messungen durchgeführt, wenn Licht auf die Fotozelle trifft. Anhand von gespeicherten Vergleichswerten kann die Elektronik entscheiden, ob es sich um Brandrauch oder zum Beispiel Wasserdampf handelt. Fehlalarme die durch so genannte „Täuschungsgrößen“ (Staub, Wasserdampf usw.) und nicht auf die Detektion von Brandrauch zurückzuführen sind, können auf diese Weise wesentlich reduziert werden.

Sinnvolle Zusatzfunktionen

Sicher ist ein Rauchwarnmelder kein Computer und der Alarmton muss auch keine Hi-Fi-Qualität haben. Dennoch lohnt vor der Anschaffung ein Blick auf die „Features“, denn einige davon können auf die Dauer ganz praktisch sein.

Maximale Überwachungsfläche

In der Betriebsanleitung jedes Rauchwarnmelders muss die Raumgröße angegeben sein, für die der Rauchwarnmelder geeignet ist. Hochwertige Rauchwarnmelder sind in der Lage, Räume mit einer Grundfläche von maximal 60 m² zu überwachen. Ist die Überwachungsfläche kleiner als die Grundfläche des Raums müssen zwei oder mehr Rauchwarnmelder eingebaut werden.

Zusätzliche Sensoren

Einige Rauchwarnmelder sind zusätzlich zur optischen Raucherkennung mit Temperatur-Sensoren ausgestattet. Je nach Art des Rauchs kann der Temperatursensor einen Brand früher erkennen, als der Rauchsensor. Der bei Wohnungsbränden entstehende Brandrauch wird allerdings meist von einem herkömmlichen Rauchsensor zuverlässig und schnell erkannt.

Fest eingebaute Batterie

Eines der wichtigsten Kriterien ist, ob der Rauchwarnmelder über eine fest eingebaute 10-Jahres-Batterie verfügt, oder die Batterien ausgewechselt werden müssen. Einzelheiten dazu sind im Beitrag „Wechselbare Batterie vs. 10-Jahres-Batterie“ dargestellt.

Alarm-Stummschaltung

Bei Rauchwarnmelder mit einer Alarm-Stummschaltung kann der Alarmton für 5 – 15 Minuten durch Betätigen einer Taste abgeschaltet werden. Genauer gesagt wird nicht der Alarm einfach zum verstummen gebracht, sondern die Alarmschwelle wird angehoben. Der Rauchwarnmelder ist nach wie vor aktiv und gibt das Alarmsignal bei zunehmender Rauchkonzentration wieder aus. Besonders praktisch ist diese Funktion bei so genannten „Täuschungsalarmen“, wenn zum Beispiel durch Staub oder Wasserdampf ein Alarm ausgelöst wird.

Störung-Stummschaltung

Meist über die gleiche Taste kann eine Störungsmeldung für mehrere Stunden unterdrückt werden. Ist zum Beispiel die Batterie schwach und der Rauchwarnmelder signalisiert dies durch eine Piepton jede Minute, kann das für einige Stunden abgeschaltet werden. Ist die Funktion nicht vorhanden, bleibt nur, die Batterie so schnell wie möglich zu wechseln (bei Geräten mit wechselbarer Batterie) oder den nervigen Piepton zu ertragen. Ist eine passende Batterie gerade nicht zur Hand, nehmen einige Besitzer den Rauchwarnmelder einfach ab, um ihn irgendwann später wieder mit neuer Batterie zu montieren – oder auch nicht.

Optische Anzeige

Nicht in der DIN EN 14604 vorgeschrieben, aber dennoch selbst bei den meisten einfachen Rauchwarnmeldern vorhanden, ist eine optische Anzeige (meist eine LED), welche die Betriebsbereitschaft signalisiert. Das kurze Lichtsignal in Intervallen von etwa 5 Minuten kann vor allem im Schlafzimmer als störend empfunden werden. Einige Hersteller verzichten nicht zuletzt aus diesem Grund auf diese optische Anzeige.

Test- und Stummschaltknopf

Einen Knopf zum Start der Selbstdiagnose muss jeder Rauchwarnmelder haben. Ist eine Stummschaltung möglich, wird diese fast immer über den gleichen Knopf betätigt. Unterschiede gibt es in der Größe und Anordnung des Knopfes. Einige Geräte verfügen über einen besonders großen Knopf, der auch bei höheren Räumen oder von gehbehinderten Bewohnern mit dem Schirm oder Besen betätigt werden kann. Besonders komfortabel sind Rauchwarnmelder, deren gesamte untere Haube zur Betätigung der Test- oder Stummschaltfunktion gedrückt werden kann.

Zugelassene Montagearten

Hersteller müssen in der Betriebs- und Montageanleitung angeben, mit welchen Mitteln das Gerät montiert werden darf. Die Befestigung mit zwei Schrauben ist Standard. Bei einigen Geräten darf ein vom Hersteller zugelassenes Klebepad oder eine andere Art der Klebemontage verwendet werden. Übrigens: Die Befestigung mit Magnet-Klebepads ist von keinem Hersteller als zulässige Montageart angegeben. Die Montage mit den beiden Metallscheibchen entspricht auch nicht der in der DIN 14676 empfohlenen dauerhaften Befestigung. Ein Absturz aus 2,50 m Höhe halten auch hochwertige Rauchwarnmelder nicht aus. Zwei kleine Schrauben sind da besser und der Schaden an der Decke ist geringer als bei einer Klebemontage.

Zulassung für Freizeitfahrzeuge

Soll ein Rauchwarnmelder im Wohnwagen oder Wohnmobil montiert werden, muss das Gerät für diese besonderen Umgebungsbedingungen zugelassen sein. In der Betriebsanleitung muss vermerkt sein: „Zulassung für Freizeitfahrzeuge“ oder „Prüfung nach DIN EN 14604, Anhang L“.

Vernetzung

Einige Rauchwarnmelder können per Draht oder per Funk untereinander vernetzt werden. Stellt Gerät Brandrauch fest, wird der Alarm an allen vernetzten Meldern ausgegeben. Wo und weshalb eine Vernetzung sinnvoll sein kann, ist im Beitrag „Stand-Alone vs. Funk-Rauchwarnmelder“ dargestellt.

Diagnose-Funktionen

Ausschließlich bei hochwertigen Rauchwarnmeldern sind automatische Diagnose-Funktionen zu finden. Üblicherweise verfügen insbesondere Geräte mit fest eingebauter Batterie über eine Verschmutzungserkennung. Ist die Rauchkammer übermäßig verstaubt, wird eine Störungsmeldung ausgegeben. Die Verschmutzungs-Kompensation ist eine weitere mögliche Funktion, die dafür sorgt, dass Falschalarme auch nach mehreren Jahren Betrieb weitestgehend ausbleiben. So genannte „Intelligente Rauchwarnmelder“ verfügen darüber hinaus noch über einen Ereignisspeicher, der sich zurückliegende Alarme merkt, und eine Prognose. Die Elektronik ermittelt aus der vergangenen Betriebszeit, ob in den nächsten 15 Monaten mit einem Ausfall der Batterie oder einer relevanten Zunahme der Verschmutzung zu rechnen ist. Diese Daten kann der Fachmann im Zuge der jährlichen Wartung entweder über ein Kabel und ein Notebook oder über optische Lichtsignale auswerten.

Fazit

Einfache Rauchwarnmelder sind sehr kostengünstig, erfüllen aber die Mindestanforderungen der DIN EN 14604. Die Übereinstimmung mit den Anforderungen der Norm muss für Rauchwarnmelder durch eine anerkannte Prüfstelle geprüft und zertifiziert werden. Das zertifizierte Produkt trägt neben der CE-Kennzeichnung die Nummer des Zertifikats, die Bezeichnung der Prüfstelle sowie die Bezeichnung der Norm, nach der das Produkt geprüft wurde

Bei regelmäßiger Wartung und Funktionsprüfung sind diese Geräte in der Lage, Brandrauch festzustellen und Alarm zu geben. Wer etwas mehr ausgeben will, kauft sich damit nicht nur Komfort sondern auch Sicherheit. Neben einer wesentlich geringeren Neigung zu Fehlalarmen zeigen hochwertige Rauchwarnmelder zum Beispiel die Verschmutzung der Rauchkammer über ein Störsignal an.

Ein wesentlicher Vorteil ist die fest eingebaute Batterie bei einigen Modellen. Die Hersteller garantieren für diese Geräte meist die Lebensdauer des Gerätes wie auch der Batterie für 10 Jahre. Die Anschaffungskosten für 10-Jahres-Rauchwarnmelder sind im Fachhandel oft nicht wesentlich höher als für einfache Geräte im Baumarkt. Rechnet man die Kosten für den Batteriewechsel über die Laufzeit ein, kann man sogar noch was sparen.

  2 Antworten zu “Rauchwarnmelder – Einfach vs. Qualität”

  1. Ein Nachtrag zu dem im Beitrag erwähnten Vogel:
    Der chick-a-dee ist im RAPEX Report vom 14.06.2013 der Europäischen Kommission als “ernsthafte Gefahr” (org.: serious risk) eingestuft.

    Der Rauchwarnmelder-Vogel ist dem Bericht zu Folge nicht ausreichend empfindlich genug, um Brandrauch sicher zu erkennen. Außerdem sei die Alarmlautstärke zu gering.

  2. Das System RAPEX der Europäischen Kommission listet regelmäßig Rauchwarnmelder, die trotz CE-Kennzeichnung aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

    Geben Sie auf der Suchseite einfach mal “smoke detector” im Feld “Free text search” (Mitte unten) ein und wählen Sie im Feld “Years” (oben rechts) alles verfügbaren Jahre (“check all”). Da wird eine ganze Liste von Rauchwarnmeldern angezeigt, die als Gefahr eingestuft werden.