Jun 182013
 

In manchen Fällen ist es sinnvoll, den Alarm eines auslösenden Rauchwarnmelders auch in einem anderen Zimmer zu hören. Bestes Beispiel ist ein Funk-Rauchmelder im Kinderzimmer, der mit dem Melder im Schlafzimmer der Eltern gekoppelt ist. Wird im Kinderzimmer Rauch festgestellt, geben beide Geräte einen Alarmton ab. Kinder neigen dazu, sich vor einem Brand “zu verstecken” anstatt sich in Sicherheit zu bringen – vor allem dann, wenn sie den Brand vielleicht im kindlichen Forschungseifer selbst ausgelöst haben.

In Einfamilienhäusern kann auch die Vernetzung von Rauchwarnmeldern im Keller oder Dachgeschoß mit den Geräten im Wohnbereich sinnvoll sein.

Funk-Rauchmelder<

Eine Vernetzung ist bei nachträglich eingebauten Rauchwarnmeldern meist nur per Funk möglich. Die „Drahtvernetzung“ kann bei Neubauten kostengünstiger sein, allerdings sollte das genau ausgerechnet werden.

Funk-Rauchmelder senden und empfangen im ISM-Band (433 MHz) oder im SRD-Band (868 MHz). Üblicherweise funktioniert jedes Gerät als Relay, das heißt ein empfangenes Signal zur Alarmauslösung wird wieder ausgesendet. Es kann dadurch ein großer Bereich vernetzt werden. Die Relay-Funktion dient als zusätzliche Sicherheit: Wenn das Signal nicht von dem ursprünglich auslösenden Melder empfangen wird (zum Beispiel weil eine Betondecke das Signal stört), kann das Signal von einem anderen Melder dennoch empfangen werden.

Die DIN EN 14604 schreibt vor, dass alle vernetzten Rauchwarnmelder ein akustisches Alarmsignal ausgeben müssen, wenn einer oder mehrere Melder Rauch feststellen. Die Anzahl der maximal vernetzten Rauchwarnmelder ist vom Hersteller in der Betriebsanleitung festgelegt und muss unbedingt beachtet werden. Üblicherweise können nicht mehr als 12 bis 20 Geräte in einer Gruppe vernetzt werden. Ist der Einbau einer größeren Anzahl von vernetzten Rauchwarnmeldern erforderlich, müssen mehrere Gruppen gebildet werden.

Funkmodul für Rauchwarnmelder

Für die Funkvernetzung muss in die Rauchwarnmelder ein zusätzliches Funkmodul eingebaut werden. Zu empfehlen ist hier in jedem Fall ein Funkmodul mit einer eigenen Batterie, damit die Funktion des Rauchwarnmelders selbst nicht beeinträchtigt wird.


Rauchwarnmelder für hörschädigte und gehbehinderte Bewohner

Unbedingt erforderlich ist eine Vernetzung des Rauchwarnmelders mit einer zusätzlichen Warneinrichtung für hörgeschädigte Bewohner, die den Alarmton nicht hören können. Hier stehen zum Beispiel Blitzleuchten und Vibratorpads, die im Kopfbereich des Bettes platziert werden, zur Verfügung.

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Für gehbehinderte Personen kann die Fernsteuerung des Rauchwarnmelders eine enorme Hilfe sein. Neben Wandschaltern stellen einige Hersteller auch Fernbedienungen zur Verfügung, mit denen Funk-Rauchmelder bei einem Falschalarm stummgeschaltet werden können. Auch der wöchentlich empfohlene Funktionstest kann mit der Fernbedienung ausgelöst werden.

Kosten

Die Anschaffungskosten für Funk-Rauchmelder liegen etwa beim drei- bis vierfachen eines Stand-Alone-Gerätes. Ein hochwertiger Rauchwarnmelder mit Funkmodul kostet im Set etwa 80,- Euro.

Das legt die Überlegung nahe, wie wichtig die Vernetzung im Einzelfall tatsächlich ist. Eventuell müssen nicht alle Melder miteinander vernetzt sein. Oft ist die Vernetzung der Rauchwarnmelder in den Fluren (bei mehreren Etagen) ausreichend. Kinderzimmer sollten allerdings, wie eingangs erwähnt, in eingebunden werden.

Leider ersetzen die Krankenkassen die Kosten für die Zusatzausstattung für hörgeschädigte und gehbehinderte Personen nicht. Nach einem im Januar 2013 veröffentlichten Urteil (Aktenzeichen: L 1 KR 147/11) entschied das Landessozialgericht (LSG) Hamburg, dass die Krankenkassen nicht für die Ausstattung der Wohnung Rauchmelder mit Lichtsignalanlage zuständig sind. (Weitere Informationen dazu beim Sozialverband VDK.)

  Eine Antwort zu “Stand-Alone vs. Funk-Rauchmelder”

  1. Krankenkassen müssen Rauchwarnmelder für Gehörlose bezahlen

    Kassel (kobinet) Das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 18.06.2014 entschieden, dass Krankenkassen die Kosten für spezielle Rauchwarnmelder für Gehörlose übernehmen müssen. Dies berichtet die Rechtsanwältin Judith Hartmann in einer Presseinformation.
    Der Kläger, der von Rechtsanwältin Judith Hartmann aus Hamburg vertreten wurde, hatte bei seiner Krankenkasse die Kostenübernahme für zwei spezielle Rauchmelder mit Licht- und Vibrationssignalalarm für seine Mietwohnung in Schleswig-Holstein beantragt und nach vierjährigem Verfahren nun eine für alle stark hörgeschädigten Menschen wichtige Entscheidung erreicht.
    In seiner Urteilsbegründung führte das Bundessozialgericht aus, dass Rauchmelder die elementare Lebensführung zu Hause ermöglichen und auf diese Weise das Grundbedürfnis des selbständigen Wohnens sicherstellen. Laut dem Gericht sei es inzwischen allgemeine Verkehrsauffassung, dass Rauchwarnmelder als unverzichtbares Warnsystem vor Rauchgasen zur Grundausstattung von Wohnungen gehören. Es sei in fast allen Landesbauordnungen die Ausstattung von Wohnräumen mit Rauchwarnmeldern gesetzlich vorgeschrieben und in zwei weiteren Bundesländern sei eine Einführung der Einbaupflicht geplant. Die Leistungspflicht der Krankenkassen bestehe unabhängig davon, ob gehörlose Menschen alleine oder mit einem hörenden Menschen in einer Wohnung leben.
    Bundessozialgericht, Urteil vom 18.06.2014, Aktenzeichen: B 3 KR 8/13 R